Schloss Enzesfeld

Luftaufnahme vom Schloß Enzesfeld

Die Entstehung Enzesfeld muss man in einem größeren Zusammenhang sehen: Die Babenberger planten einen weiträumigen Burgengürtel entlang des Alpenostrandes, sowie von March und Thaya, denn das Zusammenleben mit den Tschechen, Slowaken und Ungarn war noch nicht friedlich.
Zum erstenmal urkundlich genannt wird ein Friedrich von Engelschalksfels 1125 als Zeuge einer Schenkung in einer Urkunde des Stiftes Klosterneuburg. Zwischen 1125 und 1330, also 200 Jahre lang, lesen wir den Namen des Rittergeschlechtes der Engelschalksfelder in den Urkunden der österreichischen und steirischen Markgrafen und Herzöge, sowie des Böhmenkönigs Ottokar. Das lässt darauf schließen, dass sie an den Höfen ihrer Landesherren und Lehensgeber eine nicht unbedeutende Stellung besaßen. Enzesfeld war ja die letzte Burg der Babenberger, denn Strahemberg an der Piesting war bereits eine steirische Grenzburg.
Im restlichen 14. und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gehörte Enzesfeld dem schwäbischen Adelsgeschlecht der Walseer, Ministeriale der Habsburger.
Im 16. Jhdt. wurden die Enzesfelder Bauern sogar von einem portugiesischem Adelsgeschlecht befehligt, der Familie Tobar, sie war mit Kaiser Ferdinand I., aus Spanien ins Land gekommen und bedeutete für das durch die Ungarn- und Türkenkriege (1632) zerstörte Gut eine Zeit der Aufwärtsentwicklung.
Eine Reihe von Schlossbesitzern folgen bis in die Gegenwart:
Im 17. Jhdt. lesen wir im Besitzregister die Freiherrn von Concin, die Grafen von Traun und Abensberg, die Grafen von Brandis und die Grafen von Hoyos.
Das 18. Jhdt. bescherte Enzesfeld die Grafen von Colloredo-Walsee, Zinzendorf, Kevenhüller-Frankenburg, und sogar ein Fürstin von Montecuccoli ist zu finden.
Das 19. Jhdt. schließlich brachte eine Reihe von Freiherrn: Braun, Dalberg, Puthon, Widmann, Eskeles und die Fürsten-Familie Schönburg-Hartenstein.
1880 - 1963 befand sich Enzesfeld im Besitz der jüdischen Bankiers-Familie Rothschild.
Der Junggeselle Nathaniel Rothschild trat in Enzesfeld und Wien als besonders sozialer Wohltäter hervor. Unter anderem stiftete er 1900 die Enzesfelder Volksschule, ließ die Straße nach Aigen bauen, eine Kanalisation und die Wasserleitung aus der Jauling errichten.
Sein Neffe Eugen hatte Enzesfeld länger als ein halbes Jahrhundert inne, von 1911 bis 1963. Auch er war sehr sozial eingestellt und großzügig.
1936 hatte er den ehemaligen König Edward VIII. von England zu Besuch. Er weilte hier als Herzog von Windsor, da er dem Königsthron aufgrund seiner Heirat mit Wallis Simpson, die bereits zweimal geschieden war, entsagte.
Eugen Rothschild emigrierte schon vor dem deutschen Einmarsch 1938 nach Paris und lebte bis zu seinem Tod in den USA. Nur wenige Wochen verbrachte er  in Enzesfeld. Seine erste Frau, Kitty Schönborn, war schon 1946 gestorben. Sie war auch eine Wohltäterin unserer Gemeinde.
Von der Burg des Mittelalters geblieben ist noch der 32 m hohe Bergfried aus Lindabrunner Bruchsteinen, dahinter der Zwinger und ein runder Turm.
Früher war die Burg zum Schutz gegen Feinde von Wassergräben umgeben. In späterer Zeit, wo die Wehrhaftigkeit von Burgen aufgrund der Waffentechniken verschwanden, legte man einen Park an. Schloss Enzesfeld war von einem weitläufigen, sehr gepflegten englischen Park umgeben, der praktisch völlig verschwunden ist.
Im Inneren empfängt uns ein geräumiges Stiegenhaus mit einer dreiarmigen Treppe. Im Obergeschoss befindet sich der Hauptraum, das Speisezimmer: Holz-Lamperie und Kassettendecke stammen aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, sie wurden aus Schloss Engelstein (Großschönau bei Weitra) nach Enzesfeld übertragen.
Nur einzelne Stücke der alten Einrichtung haben den zweiten Weltkrieg und die Besatzungszeit überstanden. Während des Zweiten Weltkrieges quartierte das Deutsche Reich im Schloss Truppenteile der Wehrmacht, der Luftwaffe und der SS ein. Unter der russischen Besatzung wurde das Schloss Armeelazarett, musst aber bald wieder freigegeben werden, denn es war Besitz von Angehörigen der westlichen Alliierten und wurde der Familie Rothschild zurückerstattet.
Interessant ist der vor dem Schlosshof stehende Brunnen, denn er besteht aus mittelalterlichen Werkstücken des Wiener Stephansdomes.
1962 verkaufte Baron Eugen Rothschild das Gut an Baron Hubert von Pantz zu Pölzenbach, dessen Familie aus uralter Adelsfamilie mit Stammsitzen in Stainach-Irdning und Steyr, stammt. Als Käufer des Schlosses trat er aber nicht persönlich auf, sondern vielmehr die Golfpark Enzesfeld Ges.m.b.H.
Diese wiederum wurde von der Baufirma Kallinger gekauft, sodass nunmehr diese als Eigentümer zu bezeichnen ist.
Mittlerweile wurde die Golfpark Enzesfeld Ges.m.b.H. zu Folge der Insolvenz bzw. des Konkurses der Fa. Kallinger privat gekauft, und es soll auch das Schloss privat genützt werden.

 

(Aus einer Zusammenstellung von Prof. Mag. Karl Schiehsl nach eigenen Recherchen und nach der Enzesfelder Ortschronik von Prof. Alois Schabes)